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Claudia Nebel                                                          --> english

geb. 1972 in Graz

lebt und arbeitet in Wien und Graz



1990-97 Studium der deutschen Philologie/ Graz

1993-94 Studium der Malerei /Norman, OK, U.S.A.

1995-97 Mitarbeit Studio Muhr/ Graz

2002 Internationale Sommerakademie Salzburg/ Ingeborg Lüscher

2002 Arbeitsaufenthalt  Sansibar/ Tansania

2003 Arbeitsaufenthalt/ Berlin

2003 Gründung AC Parma

seit 2004 Projektentwicklung Oswaldgasse 28/ Wien

2008 Arbeitsaufenthalt Granada/ Nicaragua

2008 Arbeitsaufenthalt Damascus/ Syrien

2008 Arbeitsaufenthalt Havanna / Kuba

2010 Künstlerklausur Stift St. Lambrecht

2012 Shaman Studies, i. A.


Ausstellungen


2012 FOOTPRINTS, Oswg 28, Wien

2011 Unsicher, Steinernes Wehr, Südsteiermark

2011 WOMEN OF MY LIFE, Oswg 28, Wien

2011 Do You Know Who I Am ?, AAI Graz/ Akademie Graz

2011 WIR SIND BETTLER, Stadtmuseum Graz

2010 PRO.PHET Stift St. Lambrecht

2010 WANTED-found, Galerie Kon-temporär Graz

2010 Arte y Moda, Museo Nacional de Bella Artes, Havanna, Kuba

2010 OHNE GNADE, KAVAN, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz

2010 OHNE GNADE, KAVAN, The Absence of Art, Berlin

2009 Crossing Cultures Cuba_Art, Akademie Graz, Reininghausgründe, Graz

2009 OHNE GNADE, eingeladen von KAVAN, kunst.wirt.schaft., Graz

2008 STYRIA MEETS SYRIA, Galerie Mustafa Ali, Damascus, Syrien

2008 „perceptiones realidades“  Galerie G69, Graz

2008 ‚assembly“ Graz

2007 „Emergence“ European Forum Alpbach,Tirol

2007  „Werkschau“ Studio Karimi, Wien

2006 „Marathon“ Rathaus Graz

2006 „the best night“ Le Méridien, Wien

2005 „1949“ Landhaus, Graz

2004 „run for the universe2“ BSA, Wien

2003 open art summerstage, Wien

2003 Marathon, Wassergalerie, Berlin

2002 „Oktoberfest“, Stein’s Diner ,Wien

2002, „run for the universe“ Artforum Czernin, Wien

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Claudia Nebel


ist eine Künstlerin, die zwischen den Kulturen wandert und die Grenzbereiche und Schnittstellen analysiert. Insbesondere Kultur und Gesellschaft des Nahen Ostens üben auf die Künstlerin großen Reiz aus – auf dem Boden ältester Kulturtraditionen finden sich die Reibepunkte und Widersprüchlichkeiten der modernen Welt wie im Brennglas gespiegelt.

Als Grenzgängerin, die man als Künstlerin immer ist, bringt Claudia Nebel ihre persönliche Sensibilität, ja die Gesamtheit ihrer Existenz in die Kunst ein und so ist die Kehrtwende, die bedeutungsvoll in ihrem Nachnamen angelegt ist, von Nebel zu Leben, überraschend programmatisch. Dichter Nebel, der die Sicht behindert, der Schleier der Maya, der die Trugbilder der Erscheinungswelt symbolisiert, die verschiedenen Ideologien, kulturellen Konventionen und gesellschaftlichen Zwänge, das alles ist auf ganz unprätentiöse Weise die Basis ihrer künstlerischen Reflexion, ohne jeden Anspruch, neue Wahrheiten zu schaffen, aber doch beseelt vom Wunsch, zum „Leben“ vorzudringen.

Claudia Nebel enthüllt und legt Masken bloß, in dem sie mit Schemen arbeitet. Es sind Prozesse der Verdichtungen durch Reduktion, mit denen sie in den unterschiedlichsten Medien arbeitet. Claudia Nebel legt Blickachsen frei, zu dem, was sie eigentlich interessiert. Sie sucht das Wesentliche in augenblickshaften Verdichtungen, sie sucht es in freundlichen Demaskierungen und hilfreichen Entblößungen. Eine gewichtige feministische Perspektive bestimmt dabei ihre Kunst. Historisch wie gegenwärtig betrachtet sind Frauen um ein vieles stärker den gesellschaftlichen Normierungen unterworfen – insbesondere am Frauenbild werden Identitäten verhandelt, individuelle, kollektive, religiöse, nationale. An der gesellschaftlichen Rolle und dem öffentlichen Bild der Frau werden die Werthaltungen und religiösen Vorstellungen einer Gesellschaft sichtbar. Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten, die Nationen und Gemeinschaften haben, werden symbolisch über den Frauenkörper ausgetragen. Die „Minderwertigkeit“ der Frau ist diesem Prozess der Instrumentalisierung inhärent.

Ansatzpunkt dieser speziellen künstlerischen Reflexion, die sich wie ein roter Faden durch das Werk Claudia Nebels zieht, ist das Frauenbild in den verschiedenen Religionen und Regionen der Welt. Eine Reise nach Syrien bot zum Beispiel Anlass zu einer Fotoserie in Graz, die sich mit der symbolischen Form des Kopftuchs auseinandersetzt. Die Künstlerin suchte für ihre Fotografien Orte in Graz, die durch fehlende Anzeichen weltlicher Konsumkultur eine gewisse Ort- und Zeitlosigkeit aufweisen. Vor dieser abstrahierten urbanen Fassade portraitiert sich die Künstlerin als Kopftuchträgerin. In Variationen verhüllt das Kopftuch Haare und Gesicht, Zeichen der Individualität der Person. Die weißen Tücher tragen im Gegensatz dazu Insignien der persönlichen Einschreibung in diesen gesellschaftlichen Rahmen – mit eigenem Haar sind verschiedene religiöse Symbole aufgestickt. Innen und Außen verbinden, überlagern und durchdringen sich in irritierender Weise. Das Haar als Repräsentation körperlicher Energie, Lebenskraft und Fruchtbarkeit wird im Sinne eines religiösen Bekenntnisses verborgen, mit Hijab, Perücke oder Kopftuch.  Das einzelne, in die sichtbare Oberfläche eingewobene Haar steht dann pars pro toto für die Prägung weiblicher Biografie und Identität durch religiöse Konventionen. Doch es ist nicht ein einseitiges Bild über das Frauenbild des Islam, das Claudia Nebel damit gestaltet, sondern der Versuch, den vielschichtigen Verflechtungen und Spannungsverhältnissen Ausdruck zu verleihen.

Ein anderes Thema in den Arbeiten von Claudia Nebel ist die Verdichtung von „Lebensessenz“ durch die zunehmende Abstraktion des fotografischen Bildes. Das Ergebnis scheint gleich dem Abbild der Erinnerungsspuren im Gehirn zu sein, eine kurze Sequenz jener Spur, die wir mit unserer gesamten Existenz in dieser Welt hinterlassen. Oscar Muñoz, einer der bekanntesten Künstler Kolumbiens, zeigte auf der 52. Biennale von Venedig 2007 eine wunderbare Arbeit, die sich mit dem Sterben und dem Totengedenken auseinander setzte. In "Re/trato“ malte er auf einen aufgeheizten Stein mit Wasser die Schemen von Fotos, die die Sterbeanzeigen in Zeitungen begleiten. Diese ephemeren Portraits verblassen mit dem Verdunsten des Wassers auf dem sonnenbeschienenen Stein. Das Entschwinden des Portraits, das an das Verblassen der Erinnerung an den Verstorbenen im Lauf der Zeit denken lässt, ist nicht nur ein physisches Zurücktreten, sondern gleichzeitig auch eine Verdichtung, die kurz vor dem Entschwinden zu ihrem Höhepunkt kam. In künstlerischer Seelenverwandtschaft greift Claudia Nebel auf eben diese Form der Verdichtung in ihrer Überarbeitung fotografischer Portraits zurück und strebt eben diese maximale Intensität durch den Einsatz geringster Mittel an.

Was, so fragt man sich, passiert eigentlich bei diesem Prozess von Überlagerung verschiedener Techniken des Visuellen - Fotografie, Malerei, Zeichnung? Denn es geht ja nicht, wie traditionellerweise, um die perfektionierte Nachahmung der Erscheinungswelt, ganz im Gegenteil. Diese Überlagerung dient nicht der Steigerung des Realitätscharakters, mit detaillierter Ausformulierung physischer Details und besonderer Gewichtung der typischen individuellen Merkmale, sondern es ist ein Prozess, in dem die Künstlerin sogar so viel wie möglich an physischer Realität und an Individualität wegnimmt, in dem sie eben diesen mysteriösen Höhepunkt der Verdichtung kurz vor dem Zerfallen des Bildes anstrebt. Damit erst tritt dann ein Anderes zum Vorschein, ein eigentlich Unaussprechliches, eine Stimmung des Augenblicks, ein Aufleuchten des Möglichen. Es werden Aspekte offenbar, zu denen die physische Erscheinung zuweilen den Weg versperrt.

Manchmal lässt die Künstlerin soviel Bildhaftes bestehen, dass das Individuelle noch erkennbar und erhalten bleibt, manchmal aber auch so wenig, dass allein die Stimmung, das Gewicht des Moments im Bild bleibt, festgemacht an einem letzten Gerüst des Physischen, gleich den Spuren des hellen Lichts, die als violette Schatten im Auge eine Zeitlang stehen bleiben, eingebrannt in die Netzhaut, gleich einem unbewusst wahrgenommenen Detail, das Erinnerungen wachruft und mit vergangenen Gefühlen unsere Gedanken färbt.

Diese schemenhaften Erinnerungsspuren sind mitunter auf einem recht gewichtigen Grund festgemacht – tapetenhafte Stoffe, schwere Brokate. Sie geben dem Ephemeren durch ihre physische Präsenz Halt und heben doch gleichzeitig das Augenblickshafte hervor. „Ich.Hure“ ist eine Portraitserie von Prostituierten, die großformatig auf hautfarbenem, groß gemusterten Brokat gemalt ist. Die überlebensgroßen Portraits auf den changierenden Rapporten wirken wie in Haut gebrannt. Die Pracht der wertvollen Stoffe steht den Gesichtern müder Frauen entgegen. Das „Nicht-so-Sein“ des „So-Seienden“, die Zerrissenheit und die inneren Widersprüche, an denen sich Menschen insbesondere in Situationen am Rande der Gesellschaft abarbeiten, treten schmerzhaft und klar in den Vordergrund.

Und wieder das Frauenbild: Prostitution. Verschleierung. Barbie-Puppen am Kreuz. Claudia Nebel nimmt die gesellschaftlichen und religiösen Bilder der Frau auf recht drastische Weise auseinander und scheut auch keine Tabubrüche, um gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen sichtbar zu machen. Barbie ist die von übersteigerten Erwartungshaltungen körperlich entstellte Kindfrau, die kleine Mädchen in kulturelle Codes einer patriarchalen Konsumkultur einübt. Bei Claudia Nebel ist sie der gequälte Körper der Frau am Kreuz, in Bandagen gezwängt, als unfreiwillige Braut, mit aufgeschlitzter Haut, mit Blumen dekoriert wie im Totenbett, bereit in verschiedensten Körperhaltungen zur erzwungenen Hingabe – wie es in harmloserer Weise ein Nachthemd aus dem volkskundlichen Museum verdeutlicht, wo über einem Einschnitt im Kleid das fatalistische „Dieux le veut“, Gott will es, steht.

Die Frau in den monotheistischen Religionen wird vor allem aus dem Blickwinkel der männlichen Perspektive betrachtet, Frauen sind Opfer eines tradierten Konflikts zwischen dem Göttlichen und dem Weiblichen. Die Geschichte der jahrhundertelangen Unterdrückung und Unterordnung sichtbar, spürbar zu machen, ist eindringliche Intention dieser Serie von Claudia Nebel.

In einer schönen Metapher wird Kunst als die Akupunktur der Gesellschaft bezeichnet. Sie korreliert wunderbar mit dem prozessorientierten Arbeiten in der Gegenwartskunst. Nicht das Werk selbst steht im Vordergrund, sondern es ist der gesamte Entwicklungs- und Gestaltungsprozess, der künstlerische Relevanz hat; das Werk selbst ist dabei mehr die Spur eines Tuns bzw. ein Kristallisationskeim für neue Prozesse. Das, was in diesen Arbeitsprozessen, im kreativen Denken und Schaffen passieren soll, ist ein Arbeiten an der Gesellschaft an sich, an den allen gemeinsamen Grundhaltungen, an den geteilten Stimmungen, Erinnerungen und Zukunftshoffnungen. In der Akupunktur setzt man kleine, vergleichsweise unbedeutende Stiche, aber wenn sie gut gesetzt sind, sind diese Stiche ziemlich schmerzhaft, wirkungsvoll und in ihrer Wirkung lang anhaltend. So ist das auch in der Kunst. Und so ist es ganz besonders in der Kunst von Claudia Nebel.                                        Dr.in Astrid Kury/Akademie Graz